| Dorf-
und Bergchilbinen, Sommerfeste und Bergpredigten
In
diese Sommerzeit fällt die grösste Vielfalt an traditionellen
Anlässen und Bräuchen.
Man wetteifert mit Dorf- und Bergchilbinen (49 Orte), Sommerfesten
(25) und
Bergpredigten mit Folkloredarbietungen (30). Abendliche Folklore-Darbietungen
gibt
es regelmässig an 15 Orten.
Bettag
Anlässe
und Feiern zum Bettag sind eher seltener geworden (9).
Suuf-Sunntige
Von
den sieben "Suuf-Sunntige" im Saanenland beschreiben wir
nachfolgend den
Suuffsunntig
auf der Alp Kühtungel (Gemeinde Lauenen)
Am
ersten Sonntag im August findet auf der Alp Kühtungel (Gemeinde
Lauenen) ein
"Suuff-Sunntig" statt. Dieser im Saanenland verbreitete
Brauch ist uralt und sein Name
hat nichts mit der Festwirtschaft zu tun..! An diesem Tag besuchen
Angehörige der
Sennen und Besitzer der Kühe die Alp und werden dabei mit dem
Suuff oder
Schluck bewirtet. Dies ist nichts anderes als die vom Lab geronnene
Milch
aus dem Käsekessi. Ebenfalls gegessen wird das "Britschgi",
die nach dem
schneiden und kochen (52°) entstandene körnige Käsemasse.
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Nachdem
der "Schluck" durch den Sennen dem Kessi entnommen
wurde, schmeckt
er sowohl dem Besucher wie auch der Kuhbesitzerin. Der
Schluck ist sehr
sämig und von ausgezeichnetem, feinem Aroma. Nachher
zerschneidet der
Senn mit der "Harfe" die geronnene Milch und
rührt bei 52° Hitze ständig um,
bis die körnige Käsemasse sich von der Schotte
getrennt hat. Dann kann er
mit dem Käsetuch die entsprechende Menge für
einen Laib fassen und
ins "Järb" (Käseform) legen...
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Auch
das "Britschgi" mundet ausgezeichnet... |
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| Auf
Alp Kühtungel steht nach dem Schluck ein richtiger
"Dorfet" mit vom
Jodlerchörli umrahmter Bergpredigt und Chilbi mit Tanzmusik,
Festwirtschaft und
Kegeln auf Naturboden auf dem Programm. Am späteren
Nachmittag wird die
Meisterkuh auf den Tanzboden geführt. Als eine der
besten Milchkühe ist sie mit
Blumen geschmückt und der Stolz des Besitzers. Als
Höhepunkt ertönt für diesen
das "Läbehoch"-Lied und er spendet dafür
den traditionellen Ehrenwein. Die
Festwirtschaft bietet neben Speis und Trank auch die beliebten
"Graswürm" mit Nidle an (Graswürm =
Schenkeli oder Tirggeli). |
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In
der Festwirtschaft
gibst auch "Graswürm"
mit Nidle. |

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Keglet
wie zu alte Zyite - Es "Babeli" ist auf der Alp
eher eine Seltenheit.... |
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| Jetzt
tanzt noch die Meisterkuh - allerdings links herum |
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Molchneta
Am Molchneta teilt der Pfander oder der Bergvogt nach
gemessener Michmenge
den Käse - das "Molchet" - unter die Bauern
auf und stellt sie im Spycher bereit. Die
"Bsetzer" aus dem Tal werden namentlich aufgerufen
und der ihren Kühen zugeteilte
Käse wird herausgereicht. Nachdem das Molchet verladen
ist, sitzen die
Bauern zum Essen und Trinken zusammen.
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| Chästeilet
im Justistal
Von
"Chästeilet" im Dorf (6) und auf der Alp
(14) zeigen wir
den aus dem Justistal.
Jeweils
am Freitag nach dem Bettag findet im Justistal der "Chästeilet"
statt.
Dieser Brauch ist der älteste dieser Art im Berner
Oberland. Bei den Käsespeichern
auf dem Spycherberg trifft sich jeweils schon früh
morgens viel Volk, um
der Aufteilung der Sommerproduktion an Käse beizuwohnen.
Die Bauern
kommen mit Traktor oder auch mit Ross und Wagen...
Die
10 bis 20 kg schweren Laibe werden von Hand zu Hand aus
den Speichern
gereicht und in sogenannte Lösli aufgestapelt. Der
Meistersenn zieht dann
aus einem Sack die "Brittli", die Lose mit den
Initialen der Viehbesitzer
.
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Wenn
die Käselose verteilt sind, werden
noch die Zigerstöckli und Ankenballen
versteigert. Jetzt beginnt ein fröhlicher
Festbetrieb, an dem sowohl
Einheimische wie Besucher gerne
und ausgiebig teilnehmen. |
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| Alpabfahrt
im Justistal

Am
Nachmittag beginnt die "Alpabfahrt"
von den Weiden des Justistals. In
stolzer Tracht und mit schön geschmücktem Vieh
ziehen die Sennen und
Sennerinnen hinunter nach Sigriswil und Merligen. Die zahlreichen
Zuschauer
erfreuen sich an dem farbenprächtigen Zug und spenden
freundlichen Applaus.

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"Chirschmueset"
in Wimmis
Seit
Jahrzehnten findet in Wimmis der "Chirschmueset"
in
der Oeffentlichkeit
und unter reger Anteilnahme von Bevölkerung und Touristen
statt. Hier wird
aus den einheimischen Kirschen statt Schnaps das vorzügliche
Kirschmus
hergestellt. Nach Absprache mit den Kirschbaumbesitzern
wird ein Termin
von 3-4 Tagen vereinbart, an welchem die Kirschen angeliefert
werden können. In der
Regel ist dies Anfang Juli.
Ab
ca. 16 Uhr des ersten Tages erscheinen die ersten Produzenten
mit
Ihren entstielten Kirschen. Nach der Wägung ist sorgfältiges
Sortieren
durch geschickte Frauenhände (und Augen) angesagt. |
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Danach
werden die sortierten Kirschen zerkleinert. Dies geschah
früher
durch zerdrücken von Hand, was vorallem den beteiligten
Schulkindern
Spass bereitete. Heute ist man motorisiert, d.h. die Kirschen
werden mit
einem überdimensionalen Mixer zu Brei gerührt.

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| Fortlaufend
wird dann der Brei in aufgehängte Press - Säcke
aus Leinen abgefüllt.
Diese Säcke werden nun mit zwei Holzstöcken kräftig
gestreift, so
dass der Saft in die unterstellten Gefässe fliessen
kann.

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| Unter
zwei grossen Kupferkessi wurde Feuer gemacht, um den abgestreiften,
vorher
gesiebten Saft während 10 bis 12 Stunden (Nachtschicht..!)
unter ständigem
Umrühren zu köcheln. Es muss unbedingt vermieden
werden, dass das Kochgut
irgendwo "anbrennt", sonst ist das Gelingen eines
einwandfreien
"Chirschmues" in Frage gestellt.

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| Da
die Kirschen während mehreren Stunden angeliefert werden
und die
Folgearbeiten entsprechend zwingend sind, ist eine gut eingespielte
Equipe
(von Freunden) ein Muss. Nach der wohlverdienten Verpflegung
gehts ans
Retablieren für den nächsten Tag (putzen, spülen).
Die Nachtschicht für
das Feuern und Rühren an zwei Kessi wird eingeteilt
. |
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| Morgens
etwa um 8 Uhr ist der Kochvorgang beendet und die Masse
in
den Kessi muss abgekühlt werden, aber immer noch unter
ständigem Umrühren.
Anschliessend werden die ca. 300 kg gekühltes Mus in
Kesseln in den Keller
gebracht, wo es von geübten Händen in Gläser
abgefüllt wird. Wenn die Masse
ganz erkaltet ist, werden die 1-kg Gläser verschlossen
und etikettiert.
Chirschmues
hat keinerlei Zutaten wie Zucker etc. und ist praktisch
unbeschränkt haltbar. |
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An
diesem Tag wurden aus 1800 kg Kirschen mehr als 300 kg
Kirschmus gewonnen. Aus
dem verbliebenen Rest an Steinen und Haut wird dann doch
noch ein
feiner Kirsch gebrannt....!
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| Ende
September, jeweils einen Tag vor dem Spiez-Märit, feiert man
in Spiez
den "Läset-Sunntig", das einzige Winzerfest im Berner
Oberland..! Am Morgen
beginnt man mit einem oekumenischen Gottesdienst und Konzert der
Jugendmusik.
Durch das Dorf findet ein Umzug statt und anschliessend ein
Unterhaltungsprogramm auf vielen Plätzen. |